vom 15. Mai 2024

Entdecke die Kunst der Beweglichkeit durch die Linse der Doshas

Kürzlich wurde ich gefragt, warum ich mich im sitzenden Winkel (Upavistha Konasana) bis zur Matte vorbeugen kann. Als ich reflektierte, konnte ich mich daran erinnern, dass ich am Anfang meiner Yogakarriere andere auch dafür bewunderte, dies aber nie mein Ziel war. Es hat sich mit der Zeit ergeben. 

Als Ayurveda in mein Blickfeld rückte, lernte ich durch die Ausbildung die verschiedenen Körpertypen und die Beschaffenheit ihrer Gelenke kennen. So kam das Verständnis für die individuelle Beweglichkeit eines jeden Körpers hinzu. 

Ayurveda betrachtet Körperstrukturen und Flexibilität durch das Konzept der Doshas (Vata, Pitta und Kapha). Jeder Dosha-Typ hat bestimmte Merkmale, die unter anderem die Beweglichkeit beeinflussen können. Vielleicht erkennst du dich in einer der folgenden Konstitutionen wieder:

  1. Vata-Konstitution:

    • Menschen mit einer vorherrschenden Vata-Konstitution neigen dazu, dünn, leicht und zierlich zu sein.
    • Ihre Gelenke sind oft klein, trocken und knochig.
    • Vata-Typen sind normalerweise sehr beweglich und flexibel, jedoch auch anfällig für Gelenkbeschwerden wie Trockenheit und Knacken. 
  2. Pitta-Konstitution:

    • Pitta-dominante Menschen haben eine mittlere Körpergröße und einen athletischen Körperbau.
    • Ihre Gelenke sind durchschnittlich, mit einer moderaten Flexibilität.
    • Pitta-Typen haben oft eine gute Muskelausprägung und können eine moderate Flexibilität und Beweglichkeit aufweisen.
  3. Kapha-Konstitution:

    • Kapha-Konstitutionen sind normalerweise kräftig, mit einem größeren Körperbau und stabileren Gelenken.
    • Die Gelenke von Kapha-Typen sind oft groß, gut geschmiert und stark.
    • Obwohl sie von Natur aus weniger flexibel sind als Vata- oder Pitta-Typen, haben sie eine robuste Körperstruktur, die oft dazu führt, dass sie über eine gewisse Ausdauer und Festigkeit verfügen.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Beschreibungen allgemeine Merkmale sind und dass viele Menschen eine Mischung aus verschiedenen Doshas aufweisen können. Im ayurvedischen Kontext wird die Flexibilität nicht nur durch die Körperstruktur, sondern auch durch die allgemeine Balance der Doshas im Körper beeinflusst. Aus ayurvedischer Sicht wird empfohlen, dass jeder Dosha-Typ seine spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung einer guten Flexibilität berücksichtigt, sei es durch Ernährung, Lebensstil oder Yoga-Praktiken.

Für jeden Dosha-Typ (Vata, Pitta, Kapha) gibt es spezifische Ernährungsrichtlinien, die dazu beitragen können, die Gelenke bestmöglich zu unterstützen. Hier sind einige allgemeine Empfehlungen der Ernährungseigenschaften:

  1. Vata: warm, beruhigend und feuchtigkeitsspendend - da sie eher zu Trockenheit im Körper neigen

  2. Pitta: kühlend (heißt nicht kalt) und beruhigend - da sie schnell zu Entzündungen neigen

  3. Kapha: leicht, aufwärmend und anregend - stoffwechselanregend für entlastete Gelenke  

Zusätzlich zu diesen spezifischen Ernährungsrichtlinien ist es wichtig, auf individuelle Bedürfnisse und Reaktionen des eigenen Körpers zu achten. Ayurveda betont die Bedeutung eines ausgewogenen Lebensstils, der auf die Dosha-Typen abgestimmt ist, um die Gesundheit der Gelenke und des gesamten Körpers zu fördern. Hier unterstütze ich dich gerne in einem individuellen Ayurveda Lifestyle Coaching mit Analyse und Ausgleich deines Doshas.

Welches Yoga ist für welchen Typ besonders gut?

Für jeden Dosha-Typ (Vata, Pitta, Kapha) gibt es bestimmte Arten von Yoga-Praktiken, die besonders vorteilhaft sind, um die individuellen Bedürfnisse und Eigenschaften auszugleichen und zu unterstützen. Hier sind einige Empfehlungen:

  1. Vata-Konstitution:

    • Vata-Typen neigen zu Unruhe, Trockenheit und einem aktiven Geist. Yoga-Praktiken, die beruhigend, stabilisierend und erdend sind, sind ideal.
    • Empfohlene Yoga-Praktiken: Langsame und sanfte Yogastile wie Hatha Yoga und Yin Yoga, sowie Chi Yoga. Auch Yoga-Posen, die auf Erdung und Stabilität abzielen, wie stehende Posen (z.B. Baum), liegende Posen (z.B. Kindhaltung) und langsame Atemübungen (z.B. Bauchatmung), sind hilfreich.
  2. Pitta-Konstitution:

    • Pitta-Typen neigen zu Hitze, Entzündungen und einem starken Energiefluss. Yoga-Praktiken, die kühlend, beruhigend und ausgleichend sind, sind geeignet.
    • Empfohlene Yoga-Praktiken: Sanfte und fließende Yogastile mit moderatem Tempo, Chakren Yoga und Pranayama-Übungen, die die Atmung und den Energiefluss ausgleichen. Posen, die den Körper kühlen und den Geist beruhigen, wie Rückbeugen oder sanfte Vorwärtsbeugen, sind ebenfalls hilfreich.
  3. Kapha-Konstitution:

    • Kapha-Typen neigen zu Trägheit, Schwere und Stagnation. Yoga-Praktiken, die anregend, leicht und aktivierend sind, sind empfehlenswert.
    • Empfohlene Yoga-Praktiken: Energetische und dynamische Yogastile (bei moderaten Temperaturen). Auch Sonnengrüße (Surya Namaskar) und stehende Posen, die den Körper aufwecken und den Kreislauf anregen, sind förderlich.

Unabhängig vom Dosha-Typ ist es wichtig, auf die Bedürfnisse von Körper und Geist zu achten und die Yoga-Praktiken entsprechend anzupassen. Regelmäßige Yoga-Übungen, die im Einklang mit dem individuellen Dosha-Typ durchgeführt werden, können dazu beitragen, das Gleichgewicht von Körper und Geist zu fördern und die Gesundheit sowie die Beweglichkeit insgesamt zu verbessern. In meinem Online-Yoga kannst du ganz flexibel auf die verschiedenen Stile zugreifen, ob in der Live-Session oder als Video.

Die Veränderung der Gelenke während und nach der Wechseljahre

Nun befinde ich mich auch schon seit einiger Zeit in den Wechseljahren und leichte Veränderungen, wie ein vermehrtes Knacken, ist durchaus in den Gelenken zu hören. Aus ayurvedischer Sicht kommt mehr VATA, also Trockenheit in Gelenken und Bindegewebe hinzu. Diese Veränderungen können auf hormonelle Schwankungen zurückzuführen sein, insbesondere auf den Rückgang der Östrogenproduktion während der Menopause. Hier sind einige mögliche Auswirkungen auf die Gelenke:

  1. Verlust an Gelenkknorpel: Der Östrogenrückgang kann zu einem Verlust an Gelenkknorpel führen, der normalerweise die Gelenke schmiert und vor Verschleiß schützt. Dadurch kann es zu einer Zunahme von Gelenkschmerzen, Steifheit und Arthritis kommen.

  2. Verschlechterte Knochendichte: Mit dem Abfall des Östrogenspiegels kann auch die Knochendichte abnehmen, was das Risiko für Osteoporose erhöht. Dies kann sich auf die Gelenke auswirken, da schwächere Knochen anfälliger für Verletzungen und Brüche sind.

  3. Gelenksteifigkeit und Schmerzen: Viele Frauen erleben während der Wechseljahre und danach eine Zunahme von Gelenksteifigkeit und Schmerzen. Dies kann sich insbesondere am Morgen oder nach längerem Sitzen oder Liegen bemerkbar machen.

  4. Zunahme von Entzündungen: Der hormonelle Wandel kann auch zu einem Anstieg entzündlicher Prozesse im Körper führen, was sich negativ auf die Gelenke auswirken kann und Symptome wie Schwellungen und Rötungen verursachen kann.

Hier können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßige Bewegung: Angepasste Übungen wie Yoga, Tai Chi, Schwimmen oder moderate Krafttraining können die Gelenke stärken und beweglich halten.

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium (Sesam und Tahin sind eine tolle pflanzliche Quelle) und Vitamin D zur Erhaltung der Knochendichte sowie entzündungshemmenden Nahrungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren kann die Gelenke unterstützen.

  • Gewichtskontrolle: Ein gesundes Gewicht zu halten oder anzustreben, kann den Druck auf die Gelenke verringern und das Risiko für Gelenkbeschwerden reduzieren.

  • Ärztliche Betreuung: Besprechen Sie Gelenkbeschwerden oder andere Symptome mit einem Arzt oder einer Ärztin, um mögliche Behandlungen oder Therapien zu besprechen, die individuell angepasst werden können.

Was ist im Allgemeinen wichtig, wenn man beweglicher werden will?

 

  1. Regelmäßiges Yoga - Konsistenz ist der Schlüssel

    • Integriere regelmäßig Yoga in deine Routine, idealerweise täglich oder mehrmals pro Woche. Manchmal genügen 15 Minuten am Morgen oder/und Abend.
    • Achte darauf, jede Muskelgruppe zu dehnen, einschließlich großer Muskelgruppen wie Beine, Rücken, Schultern und Hüften, sowie kleinerer Muskelgruppen in den Armen, dem Nacken und den Füßen.
  2. Halte Dehnungen sanft und langsam:

    • Dehne dich sanft und achtsam. Vermeide ruckartige Bewegungen oder übermäßiges Ziehen, um Verletzungen zu vermeiden.
    • Halte jede Dehnung für mindestens 15-30 Sekunden, idealerweise länger (bis zu 60 Sekunden), um die Muskeln und das Bindegewebe effektiv zu lockern.
  3. Atme tief und entspannt:

    • Konzentriere dich auf eine tiefe, ruhige Atmung während des Dehnens. Ein tiefer Atem hilft, die Muskeln zu entspannen und die Dehnung zu vertiefen.
  4. Achte auf Gleichgewicht, Symmetrie und Flüssigkeit:

    • Arbeite daran, alle Bereiche deines Körpers gleichmäßig zu dehnen, um ein Gleichgewicht in der Flexibilität zu erreichen. Oft vernachlässigte Bereiche wie die Hüften, den unteren Rücken oder die Schultern sollten besonders berücksichtigt werden.
    • Trinke 2 - 3 Liter Tee oder Wasser, um Gelenke und Bindegewebe feucht zu halten
  5. Sei geduldig und achte auf deinen Körper:

    • Flexibilität entwickelt sich langsam und individuell. Höre auf deinen Körper und zwinge dich nicht zu Dehnübungen, die Schmerzen verursachen. Respektiere deine Grenzen und sei geduldig mit dir selbst. 

Indem du diese Tipps in deine Routine integrierst wird sich deine Flexibilität kontinuierlich verbessern. Langfristig wirst du von den Vorteilen der verbesserten Beweglichkeit profitieren, einschließlich einer besseren Körperhaltung, reduziertem Verletzungsrisiko und gesteigerter Leistungsfähigkeit in verschiedenen Aktivitäten. Beweglichkeit lässt dich nicht nur vitaler werden sondern erhöht auch das Gefühl jung und geistig flexibel zu bleiben.

So kann Yoga, auch in Verbindung mit Ayurveda, zum Jungbrunnen werden. Lass uns zusammen die Einzigartigkeit eines jedes Körpers feiern und die Freude an Bewegung und Flexibilität in Harmonie mit den Doshas entdecken.

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Alles Gute für dich und deine Gesundheit!

Nicole

 

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Die Beweglichkeit der Körpertypen